Das Projekt Aufklärung

Heiko Heinischs Vortrag am 15.2. im Rahmen der pädagogischen Konferenz der HFS überzeugte LehrerInnen, SchülerInnen und externe Gäste. "Was hat uns die Aufklärung gebracht?", fragte der renommierte Forscher und Autor, "Trotz aller Rückschläge im Verlauf der letzten beiden Jahrhunderte und trotz der Schrecken zweier Weltkriege und des Völkermordes an den europäischen Juden, was nicht einer Dialektik der Aufklärung geschuldet ist, sondern anti-aufklärerischen Bewegungen, haben wir nun schon seit 70 Jahren in Europa freie und demokratische Gesellschaften, die ihren Bürgerinnen und Bürgern die Menschenrechte garantieren. Wir leben seit 70 Jahren in Gesellschaften, wie es sie zuvor nie gegeben hat und wie es sie noch heute in weiten Teilen der Welt nicht gibt. Aber wir müssen uns immer wieder bewusst machen, wie fragil diese Gesellschaften sind. Wenn wir jene Freiheiten, die uns mit und seit der Aufklärung erkämpft wurden nicht verteidigen, werden wir sie eventuell schneller verlieren, als wir uns heute vorstellen können."

Die HFS setzen mit dieser Veranstaltung die langjährige Beschäftigung mit Migrations- und Integrationsfragen fort. Themen wie die Stellung von Religion in unserer Gesellschaft, Genderproblematik in Ehrkulturen werden vermehrt im Unterricht behandelt und haben auch in die Themenpools verschiedener Fachgruppen Eingang gefunden haben, vor allem in Fächer wie Politische Bildung und Geschichte, Fremdsprachen, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaftliche Reflexion oder im Schwerpunktfach Interkulturelle Kompetenz & Wirtschaft.

Die gegenwärtige Debatte über Integration, über Islam und Europa wird kontrovers und emotional geführt. Die Konfrontation der westlichen, auf individuellen Lebensentwürfen basierenden Gesellschaft mit der Zuwanderung von Menschen aus traditionell kollektivistisch geprägten Strukturen verläuft nicht spannungsfrei, wie wir täglich erleben.

Direktorin Ettl betonte in ihrer Begrüßung:

"Ich sehe die Beschäftigung mit gesellschaftspolitisch aktuellen Themenstellung als Professionalität von Lehrenden. Wir müssen eine ernsthafte Debatte zum Thema Integration führen und uns immer auch darüber im Klaren sein, dass alle Phänomene von Ausgrenzung ihren Ursprung in der sozialen Frage haben. Religion, jede Art von kultureller Ausgrenzung, Parteienbildungen, die sich auf eine besondere Nationalität stützen, sind letztlich alles Reaktionen auf wirtschaftliche Probleme. Wir müssen die Argumente kennen, sie an unsere SchülerInnen weitergeben, die wiederum ihrerseits aufgerufen sind, sich nicht von vordergründigen Argumenten verleiten zu lassen und das schulinterne, reichhaltige Angebot zur politischen Bildung, wie den Debattierclub und die Freifächer politische Bildung und Interkulturelle Kompetenz und Diversity (IKD) zu nützen."

Der Vortrag von Heiko Heinisch wurde von Dr. Margit Eisl eingeleitet (Einleitung zum Nachlesen), sie übernahm auch die Moderation der Diskussion im Anschluss.

„Es ist ein grobes Missverständnis, dass die Vernunft gegenüber Glaubenswahrheiten tolerant sein muss; die Vernunft hat nichts zu dulden, was ihren Ansprüchen nicht genügt. Wären die Aufklärer und Religionskritiker, von Voltaire über Feuerbach bis zu Marx, Nietzsche und Freud ähnlich wie wir von der Besorgnis getragen gewesen, nur ja keine religiösen Gefühle zu verletzen, hätte es keine Aufklärung, keine Menschenrechte, keine moderne Lebenswelt gegeben.“ (Konrad Paul Liessmann)

Text: Mag.a Maria Ettl

Fotos: Mag.a Hajnalka Berenyi-Kiss

 

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