Menschenrechte im Spannungsfeld von kultureller und religiöser Identität: Susanne Wiesinger zu Gast an den Hertha Firnberg Schulen

Susanne Wiesinger hat mit ihrer Publikation „Kulturkampf im Klassenzimmer“ in der österreichischen Integrationsdebatte das Wort ergriffen; im Rahmen der Konferenzreihe „Menschenrechte im Spannungsfeld von kultureller und religiöser Identität“ war sie nun zu Gast an den Hertha Firnberg Schulen.

Die gegenwärtige Debatte über Integration, über Islam und Europa wird kontrovers und emotional geführt. Die Konfrontation der westlichen, auf individuellen Lebensentwürfen basierenden Gesellschaft mit der Zuwanderung von Menschen aus traditionell kollektivistisch geprägten Strukturen verläuft nicht spannungsfrei und macht auch vor der Schule nicht halt. Entscheidend ist, wie wir als Gesellschaft mit diesen Spannungen umgehen.

Susanne Wiesinger macht klar, dass sie in ihrem Erfahrungsbericht sehr dramatische Einzelevidenzen geschildert hat. Neben den Auswirkungen des radikalen Islam betont sie den starken Einfluss des Heimatlands auf die im Land lebende türkische Diaspora. Diese politische, gesellschaftliche und kulturelle Zerrissenheit der SchülerInnen spürten die LehrerInnen natürlich auch im Klassenzimmer.

Die Hertha Firnberg Schulen setzen mit dieser Veranstaltung die kontinuierliche Beschäftigung mit Migrations- und Integrationsfragen fort. Themen wie die Stellung von Religion in unserer Gesellschaft oder die Genderproblematik in Ehrkulturen werden vermehrt im Unterricht, vor allem in Fächern wie Politische Bildung und Geschichte, Fremdsprachen, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaftliche Reflexion oder im Schwerpunktfach Interkulturelle Kompetenz & Wirtschaft behandelt.

Direktorin Ettl betonte in ihrer Begrüßung: "Ich sehe die Beschäftigung mit gesellschaftspolitischer aktueller Themenstellung als Professionalität von Lehrenden. Wir müssen eine ernsthafte Debatte zum Thema Integration führen und uns immer auch darüber im Klaren sein, dass alle Phänomene von Ausgrenzung ihren Ursprung in der sozialen Frage haben. Religion, jede Art von kultureller Ausgrenzung, Parteienbildungen, die sich auf eine besondere Nationalität stützen, sind letztlich alles Reaktionen auf wirtschaftliche Probleme. Wir müssen die Argumente kennen, sie an unsere SchülerInnen weitergeben, die wiederum ihrerseits aufgerufen sind, sich nicht von vordergründigen Argumenten verleiten zu lassen und das schulinterne, reichhaltige Angebot zur politischen Bildung, wie den Debattierclub und die Freifächer politische Bildung und Interkulturelle Kompetenz und Diversity (IKD) zu nützen."

Moderiert wurde die Veranstaltung von Margit Eisl, die sich wissenschaftlich in ihrer Dissertation mit der Thematik auseinandergesetzt hat. Seit 2007 bietet sie das Freifach „Interkulturelle Kompetenz & Diversity“ für die 3. und 4. Jahrgänge in jahrgangs- und schultypenübergreifenden Modulen an, bei welchen es um die Aufarbeitung der Auslandserfahrungen und die kritische Auseinandersetzung mit anderen Kulturen und Werten in der eigenen Gesellschaft geht. Sie engagiert sich außerdem in der schulinternen LehrerInnenfortbildung, wie 2018 zum Thema „Europäische Aufklärung und Sonderrechte für Religionen?“

Der Vortrag von Susanne Wiesinger mit anschließender Diskussion, ließ ein nachdenkliches Kollegium zurück. Als Ombudsfrau wird Frau Wiesinger österreichweit eine unabhängige und weisungsfreie Anlaufstelle für LehrerInnen, DirektorInnen, Eltern und SchülerInnen sein. Sie soll bei Missständen und behördlichen Versäumnissen beratend unterstützen und gleichzeitig das Ausmaß an kulturellen und religiösen Konflikten erheben. Wir erwarten mit Spannung ihren Bericht.

Zu Susanne Wiesinger:
Susanne Wiesinger ist seit dreißig Jahren Lehrerin. Zuerst an Volksschulen, zuletzt an einer NMS in Wien Favoriten. 9 Jahre war sie als Personalvertreterin für die FSG Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter tätig. Sieben Jahre leitete sie die Personalvertretung in Favoriten. Im September 2018 erschien das Buch " Kulturkampf im Klassenzimmer", das sie gemeinsam mit dem Journalisten Jan Thies geschrieben hat. Seit Februar 2019 leitet sie eine unabhängige Ombudsstelle für Wertefragen und kulturelle Konflikte. In dieser Funktion ist sie an sogenannten Brennpunktschulen in ganz Österreich unterwegs.

 Text: Mag.a Maria Ettl

Fotos: Mag.a Verena Unger

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